FAQ

  • Warum weisen Organtransplantierte ein erhöhtes Risiko für Hauttumore auf?

    Die Immunsuppressive Therapie, welche für den Erhalt Ihres transplantierten Organs notwendig ist, unterdrückt die Immunabwehr des Körpers, damit dieser das Organ nicht abstossen kann. Durch die Unterdrückung des Immunsystems erhöhen diese Medikamente jedoch auch das Risiko für die Entstehung eines Hauttumors, sowie auch anderer Tumore und Infektionen. Die Forschung arbeitet momentan an der Entwicklung neuer Medikamente, welche einen geringeren Effekt auf die Erhöhung dieses Risikos haben sollen.

  • Wie sieht ein Hauttumor aus?

    Der Hauttumor ist mit über einer Million diagnostizierter Fälle pro Jahr in den USA der häufigste aller Tumore. Meist geht dem Hauttumor eine präkanzeröse Frühform voran, genannt „aktinische Keratose“ oder „AK“. Das Erlernen der charakteristischen Merkmale einer aktinischen Keratose und der drei häufigsten Formen von Hauttumoren sind wichtig, um diese Hautveränderungen möglichst früh zu erkennen und somit die Konsequenzen klein zu halten.

     

    Aktinischie Keratosen:

    Aktinische Keratosen werden auch als intraepitheliale spinozelluläre Karzinome bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine örtliche, noch nicht invasive Form eines Karzinoms, genauer gesagt um entartete Tumorzellen, welche ihren Ursprungsort noch nicht verlassen und die Basalmembran noch nicht durchbrochen haben. Aktinische Keratosen besitzen jedoch das Potential, sich zu einem spinozellulärem Karzinom zu entwickeln. Bei 10% der Patienten entsteht in 10 Jahren aus einer aktinischen Keratose ein spinozelluläres Karzinom. Aktinische Keratosen erscheinen meist an sonnenexponierten Körperarealen als kleiner rosafarbener oder roter Fleck mit einer rauen Oberfläche. Manchmal sind sie einfacher zu spüren als zu sehen. Eine frühe Therapie der aktinischen Keratose kann die Entwicklung zu einem invasiven spinozellulärem Karzinom verhindern. Die Therapie erfolgt meist durch Kryothearpie (Kältetherapie) oder das Auftragen von chemotherapeutischen oder immunstimulierenden Cremes.

     

    Basalzellkarzinom:

    Das Basalzellkarzinom ist das häufigste Karzinom in der Gesamtbevölkerung und erscheint als kleine rosa Erhebung oder Fleck meist im Kopf- und Halsbereich, kann aber auch an jeder anderen Stelle des Körpers auftreten. Unbehandelt entwickelt sich eine offene Stelle, an der es blutet und sich wiederholt Krusten bilden. Basalzellkarzinome wachsen langsam und streuen selten zu anderen Bereichen des Körpers. Trotzdem können sie unbehandelt zu schweren lokalen Schäden der betroffenen Regionf führen.

     

    Spinozelluläres Karzinom:

    Das spinozelluläre Karzinom ist das häufigste Karzinom bei Organtransplantierten. Es tritt in dieser Patientengruppe 65mal häufiger auf als in der Restbevölkerung. Das spinozelluläre Karzinom ähnelt in seinem Aussehen dem Basalzellkarzinom, ist aber normalerweise schuppiger und hebt sich stärker von der Hautoberfläche ab. Es erscheint oft im Kopf- und Halsbereich und hat eine spezielle Tendenz zum Wachstum an Ohren, Lippen und der Rückseite von Händen und Armen. Bei früher Therapie ist das spinozelluläre Karzinom kurierbar. Wenn der Tumor jedoch in die Tiefe eindringt, kann er lokale Lymphknoten befallen, welche dann entfernt werden müssen. Bei Versagen der Therapie kann der Tumor ins Körperinnere vordringen und an diverse Orte streuen, was zum Tode führen kann.

     

    Malignes Melanom:

    Ein Melanom tritt bei Organtransplantierten 5mal häufiger auf als bei Nichtransplantierten. Im Gegensatz zum Basallzellkarzinom und Spinozellulären Karzinom präsentiert sich das Melanom normalerweise als unregelmässiger brauner Fleck oder veränderter Leberfleck. Es kann an normalen Hautstellen auftreten oder sich aus einem Leberfleck entwickeln, welcher sich bösartig verändert hat. Bei Früherkennung ist das Melanom meist therapierbar. Wenn es jedoch zu anderen Bereichen des Körpers streut, kann es im Tode resultieren.

     

    Kaposi – Sarkom:

    Ein Kaposi – Sarkom tritt bei 0.4% der Organtransplantierten auf, etwa 400-500mal häufiger als in der Restbevölkerung. Es zeigt sich als meist symmetrische, anfangs vor allem an den unteren Extremitäten auftretende, bräunlich livide, knotige bis walzenartige Hautveränderung. Später können auch die Schleimhäute und die inneren Organe betroffen sein.

  • Wie häufig entwickeln sich Hauttumore nach Organtransplantation?

    Nach der Transplantation folgt meist eine Zeitspanne von 5 bis 7 Jahren bis zum Auftreten eines Hauttumors. Diese Zeitspanne kann je nach individuellen Risikofaktoren kürzer oder länger sein. Falls die Transplantation schon in höherem Alter stattgefunden hat, kann ein Hauttumor auch rasch nach der Transplantation auftreten. Auch steigt das Risiko mit der Dauer und Dosis der immunsuppressiven Therapie an.

    Bei den meisten Organtransplantierten entwickelt sich eine limitierte Anzahl von Hauttumoren, welche bei Früherkennung einfach therapiert werden können. Jedoch gibt es eine Subgruppe von Patienten, so genannte Hochrisikopatienten, bei welcher Hauttumore in alarmierendem Ausmass auftreten. Solche Patienten können innerhalb eines Jahres dutzende Hauttumore entwickeln, wobei das Risiko für die Streuung in die Lymphknoten und andere Bereiche des Körpers erhöht ist.

  • Habe ich ein erhöhtes Risiko für Hauttumore?

    Alle transplantierten Patienten sind, unabhängig von ihrer Hautfarbe, anfälliger für die Entstehung von Hauttumoren als nichttransplantierte Personen. Tatsächlich treten Hauttumore bei Transplantierte 65 bis 100mal häufiger auf. Patienten, auf die folgende Risikofaktoren zutreffen, weisen zusätzlich ein noch höheres Risiko auf:

    • Helle oder an der Sonne schnell gerotete Haut
    • Zahlreiche Sommersprossen
    • Blaue, Grune oder haselnussfarbene Augen
    • Rotes oder blondes Haar Im Freien ausgeubter Beruf oder fruhere starke Aussetzung der Sonne
    • Hauttumore in der Familie
    • Personliche Hauttumoranamnese

    Für Hochrisikopatienten können Hauttumore zu einem schwerwiegenden Problem werden. Wiederholte chirurgische Eingriffe können durch die Vernarbungen zu Deformitäten führen, welche die Lebensqualität beeinträchtigen. Bei schwer betroffenen Patienten müssen unter Umständen die immunsuppressive Therapie reduziert oder verändert und vorbeugende Medikamente, wie zum Beispiel Retinoide, verabreicht werden.

  • Wie kann ich das Risiko reduzieren?

    Vor und nach einer Organtransplantation sollten Sie mit Ihrem Transplantationsteam über die Gefahr von Hauttumoren sprechen und beraten, wie Sie sich am besten davor schützen können. Ein guter Anfang ist das Befolgen der unten aufgeführten Schritte zur Prävention von Hauttumoren:

    1. Schützen Sie sich vor der Sonne

    Die folgenden Tipps helfen Ihnen, Aktivitäten im Freien mit mehr Sicherheit zu geniessen: 

        •  Benützen Sie eine Sonnencreme mit hohem Sonnenschutzfaktor (SPF>30), welche vor UVA und UVB Strahlung schützt.

        •  Verwenden Sie die Sonnencreme jeden Tag an allen sonnenexponierten Stellen, vor allem an Kopf und Hals, sowie an den Rückseiten der Hände und Unterarme.

        •  Machen Sie das Eincremen zu einer alltäglichen Gewohnheit, indem Sie es in Ihre morgendliche Toilette integrieren. Personen mit fettiger Haut können auch alkoholbasierte Cremes oder Gel-Sonnencremen benutzen.

       •  Wiederholen Sie das Eincremen alle 2 Stunden wenn Sie sich länger im Freien aufhalten, vor allem wenn Sie baden oder schwitzen.

       • Tragen Sie schützende, dicht gewobene Kleidung mit wenig Lichtdurchlässigkeit einschliesslich langärmligen T-Shirts, langen Hosen, einer Sonnenbrille und einem breitrandigen Hut.

       • Planen sie Aktivitäten im Freien nicht zwischen 11 Uhr morgens und 3 Uhr nachmittags, um der stärksten Sonnenstrahlung zu entgehen.

       •  Vermeiden Sie Bräunungsstudios.

       •  Nehmen Sie täglich 400-800 IE Vitamin D ein, da dieses Vitamin bei Sonneneinstrahlung in der Haut produziert wird. 

     

    2. Führen Sie Selbstuntersuchungen der Haut durch und besuchen Sie regelmässig einen Dermatologen.

    Selbstuntersuchung: Die monatliche Untersuchung Ihrer Haut auf Präkanzerosen und Hauttumore kann Ihnen das Leben retten. Suchen Sie nach neu aufgetretenen Hautveränderungen, wie rosa Flecken oder Punkte, Erhebungen der Haut, blutende Stellen oder veränderte Leberflecken. 

    Untersuchung durch den Dermatologen: Ihr Transplantationsarzt sollte Ihre Haut bei der jährlichen Kontrolle untersuchen oder Sie an einen Dermatologen weiterleiten. Wenn sie schon Präkanzerosen aufweisen oder zu den Hochrisikopatienten gehören, ist ein regelmässiger Besuch des Dermatologen angebracht, welcher die Untersuchung der gesamten Hautoberfläche beinhaltet. Ein Dermatologe kann Hautveränderungen unter Umständen entdecken, bevor Sie diese selbst erkennen würden. Bei Hochrisikopatienten ist zur optimalen Betreuung eventuell jeden Monat oder jeden zweiten Monat eine Untersuchung durch einen Dermatologen nötig. 

     

    3. Bemühen Sie sich um eine frühe Therapie 

    Falls Sie eine Hautveränderung bei sich entdecken, kontaktieren Sie unverzüglich einen Dermatologen oder ein Mitglied Ihres Transplantationsteams um möglichst bald eine Therapie zu erhalten. 

     

    4. Verwenden Sie präventive Medikamente 

    Bei Patienten mit einem erhöhten Risiko für Hauttumore können verschiedene präventive Massnahmen angewendet werden, wie zum Beispiel die Anwendung von Cremes, Hautbehandlungen oder oralen Medikamenten, welche intaepitheliale Stadien rückgängig machen oder das Risiko der Entstehung von Hauttumoren reduzieren können. Diskutieren Sie diese Möglichkeiten mit Ihrem Dermatologen.

  • Wie behandelt man einen Hauttumor?

    Bei früher Erkennung sind Hauttumore fast immer heilbar. Sie können auf diverse Arten therapiert werden, zum Beispiel mit physikalischen Methoden wie dem Entfernen durch Kältetherapie (Vereisen), Laser und medikamentöse Therapie. Oft kombiniert man verschiedene Methoden, um den Krebs möglichst gründlich zu entfernen. Bei weiter entwickelten Tumoren kommt die chirurgische Entfernung zum Einsatz. Die mikrographische Chirurgie ist eine spezielle chirurgische Technik, welche die komplette Entfernung des Tumors sicherstellt und die normale Haut wenn möglich schont.

    Obwohl die chirurgische Entfernung unvermeidlich zu Narben führt, kann das äussere Erscheinungsbild meist bis zu einem hohen Grad wieder hergestellt werden. In speziellen Situationen empfiehlt Ihr Dermatologe möglicherweise eine Entfernung von betroffenen Lymphknoten.

  • Wo kann ich beginnen?

    1. Meiden Sie die Sonne.

    2. Untersuchen Sie Ihre Haut regelmässig selbst.

    Bei Hochrisikopatienten empfiehlt der Arzt eventuell eine Untersuchung durch einen Dermatologen alle zwei Monate, um Hauttumore möglichst früh zu erkennen und zu therapieren. In einigen Fällen kann diese häufige Verlaufskontrolle der Schlüssel zur Aufrechterhaltung Ihrer Gesundheit sein.

    3. Bei bereits vorhanden Hautveränderungen bemühen Sie sich um eine möglichst frühe Therapie.

    Sie sind der Schlüssel! Die Einsicht, ein erhöhtes Risiko für Hauttumore aufzuweisen, die Verwendung von Sonnenschutzmitteln, die Fähigkeit, Hautveränderungen früh zu erkennen und das rasche Ersuchen einer Therapie können buchstäblich Ihr Leben retten.